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Mietkaution nachhaltig anlegen: Möglichkeiten und Grenzen

Veröffentlicht am Aktualisiert am Von Ulf Mayer
Die Mietkaution nachhaltig anlegen

Wer drei Monatsmieten als Kaution hinterlegt, bindet schnell mehrere tausend Euro für Jahre. Bei einer Kaltmiete von 1.500 € sind es bis zu 4.500 €. Manche Mieter wollen dieses Geld nicht einfach auf einem niedrig verzinsten Konto liegen lassen, sondern nachhaltig anlegen. Das geht, aber nicht ohne Weiteres: Es braucht die Zustimmung des Vermieters, und der Mieter trägt das Kursrisiko.

Die kurze Antwort

  • Anspruch besteht nicht. Gesetzlich vorgesehen ist die Anlage auf einem Kautionskonto. Eine andere Anlageform ist nur möglich, wenn Mieter und Vermieter sie vereinbaren (§ 551 Abs. 3 BGB).
  • Der übliche Weg ist das Mietkautionsdepot: Statt Bargeld werden Fondsanteile an den Vermieter verpfändet. Nachhaltig wird es durch die Wahl der Fonds.
  • Rendite ist keine Zusage. Sinkt der Depotwert unter die Kautionssumme, kann der Vermieter eine Nachbesicherung verlangen.
  • „Nachhaltig“ ist kein geschützter Begriff. Wer nachhaltig anlegen will, sollte die Fonds selbst prüfen.

Kautionskonto oder Depot: der Unterschied

Auf einem Mietkautionskonto ist die Kaution sicher, aber niedrig verzinst. Der Zins richtet sich nach dem, was Banken für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist zahlen (§ 551 Abs. 3 BGB). Beim Depot ist über lange Mietdauern eine höhere Rendite möglich, gegen Kursschwankungen. Das Geld bleibt ohnehin für die gesamte Mietdauer gebunden, deshalb kann ein Depot bei langer Mietdauer eine Überlegung wert sein.

Wer nur die Sicherheit will, ist mit dem Konto gut bedient. Das Depot passt zu Mietern, die lange in der Wohnung bleiben wollen und eine Nachbesicherung notfalls tragen könnten.

Was bedeutet „nachhaltig investieren“?

Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Drei Ansätze sind üblich:

  • ESG-Kriterien: Unternehmen werden nach Umwelt (Environmental), Sozialem (Social) und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Governance) bewertet. Fonds mit ESG-Ansatz wählen die besser bewerteten aus.
  • Ausschlusskriterien: Bestimmte Branchen werden ausgeschlossen, etwa Kohle, Atomkraft, Waffen, Tabak oder Glücksspiel. Das ist leichter nachzuvollziehen als ein Rating.
  • Themenfonds: Fonds, die gezielt in erneuerbare Energien, Klimaschutz oder Ähnliches investieren.

Welche Branchen jemand ausschließen möchte, ist eine persönliche Entscheidung. Auf Fondsebene gibt der Verkaufsprospekt Auskunft darüber, nach welchen Kriterien ausgewählt wird. Auch die Einstufung nach der EU-Offenlegungsverordnung (Artikel 8 oder 9) sagt etwas über die Strategie des Fonds aus, ist aber noch kein Gütesiegel.

So legt man die Kaution nachhaltig an

Mietkautionsdepot mit eigener Fondsauswahl

Im Mietkautionsdepot wählt der Mieter die Fonds selbst, etwa breit streuende ETFs mit ESG-Filter oder Ausschlüssen. Die Anteile werden an den Vermieter verpfändet. Die Verpfändung ist nach § 1280 BGB erst wirksam, wenn sie der Depotbank angezeigt wird. Deshalb läuft sie über die Formulare der Bank. Das Angebot an Banken, die das unterstützen, ist klein. Anbieter, Kosten und Ablauf stehen auf der Seite zum Mietkautionsdepot. Robo-Advisor, die Portfolios automatisch verwalten, bieten die Verpfändung als Kaution inzwischen nicht mehr an.

Nachhaltige Bank für das Kautionskonto

Wer kein Kursrisiko eingehen möchte, kann ein klassisches Kautionskonto bei einer Bank mit nachhaltiger Ausrichtung nutzen. Einzelne Institute haben ihr Angebot dafür allerdings eingeschränkt, teils gibt es das Konto nur für Bestandskunden. Das lohnt eine Nachfrage vor Mietbeginn. Mehr dazu steht im Beitrag auf mietkautionskonto.info.

Worauf man achten sollte

  • Zustimmung des Vermieters: Ohne sie bleibt es beim Kautionskonto. Hilfreich ist, früh zu erklären, dass die Sicherheit für den Vermieter dieselbe ist: Er hat ein Pfandrecht und kann im Schadensfall auf die Anteile zugreifen.
  • Kursrisiko: Fällt der Wert, muss der Mieter gegebenenfalls nachlegen. Endet das Mietverhältnis in einer schwachen Marktphase, kann aus der Rendite ein Verlust werden.
  • Kosten: Depotgebühren, Verpfändungsgebühr und Fondskosten schmälern den Ertrag.
  • Greenwashing: Nicht jeder Fonds mit „Green“ im Namen investiert konsequent nachhaltig. Eine Orientierung gibt der Beitrag zu Greenwashing und Mietkaution.
  • Die Alternative: Wer ohnehin keine Kaution hinterlegen will, kann prüfen, ob eine Kautionsversicherung oder -bürgschaft in Frage kommt. Der Vermieter muss auch dem zustimmen.

Hinweis für Vermieter

Vermieter sind nicht verpflichtet, ein Depot zu akzeptieren. Die Depotform ist für sie unkomplizierter, als sie wirkt: Die Verpfändung läuft über die Bank, und im Sicherungsfall verkauft die Bank die Anteile, nachdem beide Seiten angehört wurden. Das Kursrisiko trägt der Mieter. Wer die Nachbesicherung vertraglich regelt, vermeidet spätere Streitigkeiten.

Fazit

Nachhaltig anlegen lässt sich die Kaution, wenn der Vermieter mitzieht, am ehesten mit einem Mietkautionsdepot und ausgewählten ESG- oder Ausschlussfonds. Wem Sicherheit wichtiger ist als Rendite, bleibt beim Kautionskonto. Allgemeine Hintergründe zur Anlage der Kaution stehen im Beitrag Die Mietkaution investieren.

Quellen

  1. § 551 BGB – Begrenzung und Anlage von Mietsicherheitengesetze-im-internet.de
  2. § 1280 BGB – Anzeige der Verpfändung einer Forderunggesetze-im-internet.de

Berater, Webentwickler und seit über 15 Jahren mit dem deutschen Mietkautionsmarkt vertraut. Gründer von mietkautionskonto.info und weiteren unabhängigen Portalen rund um die Mietkaution.