Mietkaution und Inflation: Warum die Kaution real an Wert verliert
Die Preise steigen derzeit um 3,3 Prozent im Jahr, eine Mietkaution auf einem klassischen Kautionskonto bringt im Median 0,175 Prozent. Der Euro-Betrag der Kaution bleibt gleich, seine Kaufkraft schrumpft aber jedes Jahr. Dieser Beitrag rechnet nach, wie groß der Verlust ist, was das für Mieter und Vermieter bedeutet und was man dagegen tun kann.
Inhalt
Die kurze Antwort
- Inflation: Laut Statistischem Bundesamt liegt sie im September 2026 voraussichtlich bei 3,3 Prozent. Der Wert ist vorläufig, die endgültigen Zahlen erscheinen am 13. Oktober 2026.
- Zins: Der Kautionszins-Index von mietkautionskonto.info zeigt einen Median von 0,175 Prozent (Stand 29.09.2026). Selbst das beste Angebot im Index liegt mit 1,00 Prozent unter der Inflationsrate.
- Folge: Auf 3.000 € Kaution verliert man bei diesen Werten rund 91 € Kaufkraft pro Jahr, obwohl 5,25 € Zinsen gutgeschrieben werden.
- Der nominale Betrag ist sicher. Das Guthaben wird am Ende in voller Höhe plus Zinsen ausgezahlt. Nur reicht es dann für weniger.
Die Zahlen im Überblick
Inflation
Die Inflationsrate lag im September 2026 nach der vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamts bei +3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im August. Haupttreiber ist die Energie mit +14,9 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel beträgt 2,4 Prozent. Auch diese bereinigte Rate liegt über jedem Kautionszins im Index.
Zinsen auf die Kaution
Die Zinsen auf ein Kautionskonto richten sich nach dem, was Banken für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist zahlen (§ 551 Abs. 3 BGB). Der Bundesbank-Referenzzins dafür beträgt für 2026 vorläufig 0,68 Prozent. Der Kautionszins-Index zeigt, was Anbieter tatsächlich zahlen:
| Kennzahl (Stand 29.09.2026) | Wert |
|---|---|
| Median | 0,175 % p. a. |
| Mittelwert | 0,327 % p. a. |
| Spanne der sechs Angebote | 0,01 bis 1,00 % p. a. |
| Ertrag auf 3.000 € | 5,25 € pro Jahr (vor Steuern) |
Der Median stieg zuletzt, nach Werten von meist 0,000 bis 0,010 Prozent zwischen 2021 und 2025. Die Inflation ist aber schneller gestiegen.
Was das für die Kaufkraft heißt
Angenommen, die Inflationsrate bliebe bei 3,3 Prozent. Dann verliert eine Kaution von 3.000 € pro Jahr an Kaufkraft:
| Verzinsung | Zins pro Jahr | Realer Verlust pro Jahr |
|---|---|---|
| Median im Index (0,175 %) | 5,25 € | rund 91 € |
| Bundesbank-Referenzzins (0,68 %) | 20,40 € | rund 76 € |
| Bestes Angebot im Index (1,00 %) | 30,00 € | rund 67 € |
Bei einer Mietdauer von fünf Jahren und gleichbleibender Inflation summiert sich der Verlust beim Median auf rund 14 Prozent, also etwa 430 € auf 3.000 €. Das ist eine Modellrechnung, keine Prognose: Die Inflation kann sinken, und die Zinsen können steigen.
Wie sich das in der Vergangenheit auswirkte, zeigen die Jahresdurchschnitte laut Statistischem Bundesamt: 3,1 Prozent (2021), 6,9 (2022), 5,9 (2023), 2,2 (2024) und 2,2 Prozent (2025). Die Preise stiegen in diesen fünf Jahren um insgesamt rund 22 Prozent. Der Median des Kautionszinses lag in dieser Zeit meist bei null. Wer 2021 eine Kaution von 2.400 € hinterlegte, bräuchte heute rund 2.900 € für dieselbe Kaufkraft. Das ist eine Näherung auf Basis der Jahresdurchschnitte.
Die Sicht des Mieters
Für Mieter ist die Kaution totes Kapital: Das Geld ist für die gesamte Mietdauer gebunden und verliert an Wert. Am stärksten trifft das Mieter, die lange in einer Wohnung bleiben. Praktisch bleiben vier Wege:
- Besser verzinstes Konto: Zwischen den Anbietern liegen im Index bis zu 0,99 Prozentpunkte. Eine Bank mit 1,00 statt 0,01 Prozent bringt auf 3.000 € rund 30 € statt 0,30 € im Jahr. Die Inflation gleicht das nicht aus, der Verlust sinkt aber. Beachten sollte man, ob der Zins fest oder variabel ist: Aktionszinsen sind oft befristet und fließen nicht in den Index ein.
- Bürgschaft statt Geldkaution: Das Geld bleibt frei und kann anderweitig angelegt werden. Dafür zahlt der Mieter einen jährlichen Beitrag von meist 4,3 bis 4,7 Prozent, der dauerhaft verloren ist. Das lohnt nur, wenn die Anlage mehr einbringt. Der Vergleich steht im Beitrag Mietkautionsbürgschaft vs. Mietkautionskonto.
- Mietkautionsdepot: Fondsanteile statt Bargeld, mit Renditechance und Kursrisiko. Der Vermieter muss zustimmen.
- Freistellungsauftrag: Die Zinsen sind bis zum Sparer-Pauschbetrag steuerfrei, wenn er nicht anderweitig verbraucht ist.
Die Sicht des Vermieters
Auch Vermieter sind betroffen, nur anders. Die Zinsen gehören zwar dem Mieter, doch die Kaution des Vermieters verliert real ebenfalls an Wert:
- Die Sicherheit schrumpft. Die Kaution wird zu Mietbeginn auf maximal drei Monatskaltmieten festgelegt (§ 551 BGB). Steigen Preise und Handwerkerkosten, deckt dieselbe Summe nach Jahren weniger Schäden ab. Eine nachträgliche Erhöhung ist nicht möglich.
- Die Anlagepflicht bleibt. Der Vermieter muss die Kaution getrennt von seinem Vermögen anlegen. Er darf sie nicht für sich nutzen, auch nicht, um den Wertverlust auszugleichen.
- Eine bessere Verzinsung nutzt beiden Seiten. Die Zinsen erhöhen die Sicherheit und gehören dem Mieter. Wer ein höher verzinstes Konto wählt oder dem Mieter eine Alternative erlaubt, stärkt die Sicherheit und die Vertragsbeziehung.
Wie ein Konto für Mieteingänge und Kaution organisiert werden kann, steht im Beitrag zum Vermieterkonto.
Eigene Kaution durchrechnen
Wie viel Zinsen die eigene Kaution bei verschiedenen Banken bringt, zeigt der Rechner:
Zinsberechnung
Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,01% wird ein Zinsertrag von 0,90€ für die Laufzeit von 3 Jahren bei einer Kautionssumme von 3000€ ermöglicht. Die Zinsen sind derzeit auf einem historischen Tiefpunkt angekommen. Es gibt als Alternative zu einem Sparkonto die Möglichkeit einer Mietkautionsbürgschaft. Hierbei zahlt man jährlich mind. 4,7% der Kautionssumme, hat die Kautionssumme jedoch für Investitionen mit höherer Rendite zur Verfügung.
Aktionszinssatz 2,00 % p.a. in den ersten 6 Monaten, danach 1,00 % p.a. variabel
| Anlagesumme: | 3000,00 € |
| Zinsertrag nach 3 Jahren: | 90,90 € |
| Gesamtkosten: | 0,00 € |
| Endbetrag nach Kosten: | 3090,90 € |
| Anlagesumme: | 3000,00 € |
| Zinsertrag nach 3 Jahren: | 9,01 € |
| Gesamtkosten: | 0,00 € |
| Endbetrag nach Kosten: | 3009,01 € |
| Anlagesumme: | 3000,00 € |
| Zinsertrag nach 3 Jahren: | 9,01 € |
| Gesamtkosten: | 0,00 € |
| Endbetrag nach Kosten: | 3009,01 € |
Umwandlung aus Sparkonto: 15 € mit Gehalts-/Depotkonto, 89 € ohne
| Anlagesumme: | 3000,00 € |
| Zinsertrag nach 3 Jahren: | 0,90 € |
| Gesamtkosten: | 15,00 € |
| Endbetrag nach Kosten: | 2985,90 € |
Keine Mietkaution online
| Anlagesumme: | 3000,00 € |
| Zinsertrag nach 3 Jahren: | 0,00 € |
| Gesamtkosten: | 59,00 € |
| Endbetrag nach Kosten: | 2941,00 € |
Rechtliche Hinweise: Der Vergleich bietet keinen kompletten Marktüberblick. Hauptrankingfaktor ist das Gesamtergebnis, welches anhand der Filtereinstellungen und den jeweiligen Produktkonditionen berechnet wird. Die Listung beginnt mit den größten Erträgen und endet mit den höchsten Kosten. Bei ertrags-/kostengleichen Produkten wird zusätzlich die Abschlussquote berücksichtigt. D. h. Produkte, die im Verhältnis zu den Aufrufen hier öfter gewählt werden, sind höher platziert.
Stand: 22.10.2026
Was man jetzt tun kann
- Zinsen vergleichen vor der Kontoeröffnung. Der Kautionszins-Index zeigt Median, Spanne und Stand.
- Auf feste oder befristete Zinsen achten: Ein hoher Aktionszins ist nicht der laufende Zins.
- Bei bestehendem Mietverhältnis nachfragen: Ein Wechsel zu einer anderen Bank oder Anlageform geht nur mit Zustimmung des Vermieters.
- Die Kaution nicht überbewerten: Sie ist eine Sicherheit, keine Geldanlage. Der Wertverlust ist der Preis für diese Sicherheit, solange Zinsen unter der Inflation liegen.
Fazit
Bei einer Inflation von 3,3 Prozent und einem Median-Kautionszins von 0,175 Prozent verliert die Mietkaution real jedes Jahr rund drei Prozent ihrer Kaufkraft, auf 3.000 € etwa 90 €. Auch das beste Angebot im Index gleicht das nicht aus. Den Euro-Betrag bekommt man zurück, aber nicht seine Kaufkraft. Mieter können den Verlust mit einem besser verzinsten Konto begrenzen, Vermieter profitieren von höheren Zinsen mit einer größeren Sicherheit. Ganz vermeiden lässt er sich nur, wenn die Kaution anders angelegt oder durch eine Bürgschaft ersetzt wird.
Quellen
- Destatis – Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich +3,3 % (Pressemitteilung Nr. 348 vom 30.09.2026)destatis.de
- Destatis – Pressemitteilung Nr. 019 vom 16.01.2026 (Jahresinflation 2025)destatis.de
- Kautionszins-Index, Stand 29.09.2026 (mietkautionskonto.info)mietkautionskonto.info
- § 551 BGB – Begrenzung und Anlage von Mietsicherheitengesetze-im-internet.de
Berater, Webentwickler und seit über 15 Jahren mit dem deutschen Mietkautionsmarkt vertraut. Gründer von mietkautionskonto.info und weiteren unabhängigen Portalen rund um die Mietkaution.







