Die Tilgung ist das Herzstück jeder Immobilienfinanzierung. Sie entscheidet, wie schnell man Eigenkapital aufbaut, wie hoch der monatliche Cashflow ist – und wie flexibel man auf Veränderungen reagieren kann.

Viele angehende Vermieter unterschätzen, dass die Tilgungsstrategie fast genauso wichtig ist wie der Kaufpreis oder der Zinssatz.

Tilgung verstehen – das Basiswissen

Die Tilgung ist der Teil der Rate, der den Kredit reduziert – die andere Hälfte sind die Zinsen.

  • Monatliche Rate = Zins + Tilgung
  • Hohe Tilgung → schnelleres Eigenkapitalwachstum, höhere Belastung
  • Niedrige Tilgung → längere Laufzeit, geringere Belastung, langsamer Vermögensaufbau

Beispiel:

  • Kaufpreis: 300.000 €
  • Eigenkapital: 60.000 €
  • Kredit: 240.000 €
  • Zinssatz: 4 %
  • Tilgung: 1 % → Rate ca. 900 €/Monat
  • Tilgung: 3 % → Rate ca. 1.500 €/Monat

Hohe Tilgung baut schneller Eigenkapital auf, aber der Cashflow ist geringer.


Annuitätendarlehen – die häufigste Wahl

Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Rate über die Zinsbindung konstant.

  • Anfangsanteil Zinsen hoch, Tilgung niedrig
  • Mit jeder Zahlung steigt der Tilgungsanteil, Zinsen sinken
  • Vorteil: Planungssicherheit, kalkulierbarer Cashflow

Tipp: Wähle die Anfangstilgung so, dass der Cashflow trotz aller Kosten positiv bleibt – damit die Immobilie sich selbst trägt.


Sondertilgungen clever nutzen

Viele Banken erlauben jährliche Sondertilgungen von 5–10 %.

  • Vorteil: schnelleres Eigenkapitalwachstum
  • Flexibilität: Sonderzahlungen nur, wenn Liquidität vorhanden ist
  • Empfehlung: Sondertilgungen bei hoher Liquidität oder Wertsteigerungen nutzen

Beispiel: Mit 5.000 € Sondertilgung pro Jahr kannst du mehrere Jahre an Zinsen sparen und die Restschuld deutlich schneller reduzieren.


Tilgung an den Cashflow anpassen

Wichtig ist: Die Tilgung darf den positiven Cashflow nicht zerstören.
Formel:

Cashflow = Mieteinnahmen – (Zins + Tilgung + Nebenkosten + Rücklagen)

  • Positiver Cashflow → Immobilie finanziert sich selbst
  • Negativer Cashflow → private Mittel müssen aufgestockt werden

Strategie: Anfangs moderate Tilgung wählen, mit steigender Miete oder sinkendem Zinssatz erhöhen.


Tilgungsvarianten im Überblick

Variante Vorteil Nachteil
Niedrige Tilgung (1%) geringer Monatsaufwand, Cashflow positiv langsamer Vermögensaufbau
Mittlere Tilgung (2–3%) guter Kompromiss zwischen Cashflow und Aufbau höhere monatliche Belastung
Hohe Tilgung (4–5%) schneller Eigenkapitalaufbau, weniger Zins hoher monatlicher Aufwand, Risiko bei Leerstand
Sondertilgung nutzen flexibel, schneller Schuldabbau erfordert Liquidität

Kombination von Tilgung und Zinsbindung

  • Lange Zinsbindung (10–15 Jahre): hohe Sicherheit, kalkulierbarer Cashflow
  • Kurze Zinsbindung (5 Jahre): niedrigere Anfangsraten, Risiko steigender Zinsen

Tipp: Für Vermieter, die langfristig planen, lohnt sich oft eine längere Zinsbindung kombiniert mit moderater Anfangstilgung und jährlicher Sondertilgung.


Fazit: Tilgung ist Strategie, kein Nebenpunkt

Die Tilgung bestimmt, wie schnell dein Eigenkapital wächst, wie hoch dein monatlicher Cashflow ist und wie flexibel du auf Marktveränderungen reagieren kannst.
Richtig gewählt:

  • Immobilie trägt sich selbst
  • Vermögen wächst kontinuierlich
  • Risiko bleibt überschaubar

Fazit: Tilgen will gelernt sein – nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern als Werkzeug für langfristigen Vermögensaufbau.


Zuletzt aktualisiert am

Autor: Ralf Gründler

Ralf Gründler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Finanzprodukten, Sicherheitsleistungen und modernen Kautionslösungen. Er analysiert Markttrends, Anbieter und Vertragsmodelle und sorgt dafür, dass unsere Vergleiche und Erklärungen finanziell und rechtlich korrekt bleiben.