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Immobilienfinanzierung für Vermieter: Eigenkapital, Tilgung und der Hebeleffekt

Veröffentlicht am Aktualisiert am Von Ulf Mayer
Immobilienfinanzierung: Wie man mit Fremdkapital Vermögen aufbaut

Wer eine Immobilie vermieten will, muss sie zuerst finanzieren. Dabei entscheiden drei Größen über das Ergebnis: wie viel Eigenkapital eingesetzt wird, wie hoch getilgt wird und wie lange der Zins festgeschrieben ist.

Diese Seite ordnet die Bausteine ein – einschließlich der Modelle, die ohne Eigenkapital auskommen und deshalb regelmäßig beworben werden.

Warum Fremdkapital überhaupt eingesetzt wird

Der Grund heißt Hebeleffekt: Solange die Rendite der Immobilie über dem Kreditzins liegt, steigert jeder Euro Fremdkapital die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital.

Ein Beispiel. Eine Wohnung für 300.000 Euro wirft nach Kosten 12.000 Euro im Jahr ab, das sind 4 Prozent auf den Kaufpreis.

Eigenkapital Kredit Zinsaufwand bei 3,5 % Überschuss Rendite auf Eigenkapital
300.000 € 0 € 0 € 12.000 € 4,0 %
60.000 € 240.000 € 8.400 € 3.600 € 6,0 %
30.000 € 270.000 € 9.450 € 2.550 € 8,5 %

Der Hebel wirkt aber in beide Richtungen. Liegt die Rendite unter dem Zins, vergrößert er den Verlust im selben Maß. Und die Tabelle rechnet ohne Tilgung – die kommt zum Zinsaufwand hinzu und muss aus demselben Überschuss bedient werden.

Die Bausteine einer Finanzierung

  • Annuitätendarlehen – der Regelfall. Die monatliche Rate bleibt konstant, innerhalb der Rate verschiebt sich das Verhältnis: Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt.
  • Zinsbindung – der Zeitraum, für den der Zinssatz feststeht. Nach Ablauf folgt die Anschlussfinanzierung zu dann geltenden Konditionen.
  • Tilgungssatz – der Anteil, mit dem die Schuld jährlich zurückgeführt wird. Er bestimmt die Laufzeit.
  • Sondertilgung – vertraglich eingeräumtes Recht, außerplanmäßig zu tilgen. Üblich sind fünf Prozent der Darlehenssumme im Jahr.

Die Tilgung: der unterschätzte Hebel

Der Tilgungssatz wirkt stärker auf die Gesamtkosten als kleine Zinsunterschiede. Ein Prozent Tilgung klingt niedrig und bedeutet bei üblichen Zinsen eine Laufzeit von deutlich über dreißig Jahren – mit entsprechendem Zinsaufwand.

Die Faustregel: Anfangstilgung so hoch wie tragbar ansetzen, mindestens zwei Prozent. Was an Rate zusätzlich fließt, verkürzt die Laufzeit überproportional, weil der Zinsanteil schneller sinkt.

Zwei Gegenargumente sind ernst zu nehmen. Erstens: Eine hohe Tilgung senkt die Liquidität, und bei einer vermieteten Immobilie sind Rücklagen für Reparaturen und Mietausfall Pflicht, kein Luxus. Zweitens: Bei vermieteten Objekten sind die Zinsen als Werbungskosten absetzbar, die Tilgung nicht – das verschiebt die Rechnung gegenüber der selbstgenutzten Immobilie. Was sonst absetzbar ist, steht unter Steuern sparen als Vermieter.

Ein Kompromiss ist die moderate Anfangstilgung plus vertraglich vereinbarte Sondertilgung: Die Rate bleibt beherrschbar, in guten Jahren lässt sich zusätzlich zurückführen.

Finanzierung ohne Eigenkapital

Zwei Varianten werden unterschieden:

  • Vollfinanzierung (100 Prozent): Der Kaufpreis wird finanziert, die Kaufnebenkosten – Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, gegebenenfalls Makler – trägt der Käufer aus eigenen Mitteln. Je nach Bundesland sind das rund 8 bis 15 Prozent des Kaufpreises.
  • 110-Prozent-Finanzierung: Auch die Nebenkosten laufen über den Kredit.

Beides ist möglich, aber teurer: Banken verlangen für höhere Beleihungsausläufe Zinsaufschläge, weil ihr Risiko steigt. Die Konditionen verschlechtern sich typischerweise ab einem Beleihungsauslauf über 80 Prozent deutlich.

Das Risiko, das dabei entsteht

Bei einer Vollfinanzierung steht der Kredit anfangs über dem Verkehrswert – die Nebenkosten sind Geld, das nicht im Objekt steckt. Wer in dieser Phase verkaufen muss, bleibt auf einer Restschuld sitzen.

Drei Auslöser dafür sind nicht exotisch, sondern der Normalfall über eine Kreditlaufzeit von zwanzig Jahren: Mietausfall, größere Instandhaltung, Zinsanstieg bei der Anschlussfinanzierung.

Wer ohne Eigenkapital finanziert, sollte deshalb erst recht eine Liquiditätsreserve haben – der scheinbare Widerspruch ist keiner: Die Reserve ersetzt kein Eigenkapital, sie verhindert den Notverkauf.

Immobilienleasing und Mietkauf

Als Alternative ohne Eigenkapital wird gelegentlich der Mietkauf beworben: Der Interessent mietet zunächst und erwirbt später zu einem festgelegten Preis, ein Teil der Miete wird angerechnet.

Für Gewerbeimmobilien ist Leasing ein etabliertes Modell. Im privaten Wohnbereich ist Mietkauf dagegen selten, und die Konstruktion hat Eigenheiten, die vor jedem Vertrag zu prüfen sind:

  • Der Gesamtpreis liegt regelmäßig über dem eines finanzierten Kaufs – die Anrechnung der Miete gleicht das nicht aus.
  • Der Eigentumsübergang erfolgt erst am Ende. Bis dahin trägt der Käufer wirtschaftliches Risiko ohne Eigentümerstellung.
  • Scheitert der Erwerb, sind die angerechneten Beträge in der Regel verloren.
  • Die steuerliche Behandlung unterscheidet sich vom klassischen Kauf und ist im Einzelfall zu klären.

Als Faustregel: Wer eine reguläre Finanzierung bekommt, fährt damit fast immer günstiger. Mietkauf ist eine Antwort auf fehlende Kreditwürdigkeit – und der Preis dafür steht im Vertrag.

Vor der Unterschrift rechnen

Drei Rechnungen sollten stehen, bevor ein Vertrag unterschrieben wird:

  1. Cashflow nach allen Kosten. Miete minus Zins, Tilgung, nicht umlagefähige Nebenkosten, Rücklage für Instandhaltung. Bleibt am Ende ein Minus, wird es aus dem laufenden Einkommen gedeckt – dauerhaft.
  2. Restschuld am Ende der Zinsbindung und die Rate, die bei zwei Prozentpunkten höherem Zins fällig würde.
  3. Der Fall Mietausfall: Wie viele Monate ohne Mieteinnahme lassen sich tragen?

Ob sich die Vermietung insgesamt rechnet, ordnet Immobilie vermieten – durchgerechnet ein.

Kurz gefasst

  • Fremdkapital hebelt die Eigenkapitalrendite – in beide Richtungen.
  • Der Tilgungssatz wirkt auf die Gesamtkosten stärker als kleine Zinsunterschiede; mindestens zwei Prozent sind die übliche Empfehlung.
  • Bei vermieteten Objekten sind Zinsen absetzbar, die Tilgung nicht.
  • Ohne Eigenkapital wird es teurer, nicht unmöglich – und der Notverkauf ist das eigentliche Risiko.
  • Mietkauf lohnt fast nur, wenn eine reguläre Finanzierung nicht zu bekommen ist.

Häufige Fragen zur Immobilienfinanzierung

Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine vermietete Immobilie?

Eine feste Grenze gibt es nicht, aber die Konditionen verschlechtern sich deutlich, sobald der Beleihungsauslauf über 80 Prozent steigt. Als Orientierung gilt, mindestens die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln zu tragen – je nach Bundesland rund 8 bis 15 Prozent des Kaufpreises für Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler.

Wie hoch sollte die Tilgung sein?

So hoch wie tragbar, mindestens zwei Prozent. Ein Prozent Anfangstilgung führt bei üblichen Zinsen zu einer Laufzeit von deutlich über dreißig Jahren. Bei vermieteten Objekten kommt hinzu, dass Zinsen als Werbungskosten absetzbar sind, die Tilgung nicht – die Rechnung fällt deshalb anders aus als bei einer selbstgenutzten Immobilie.

Was ist der Hebeleffekt?

Solange die Rendite der Immobilie über dem Kreditzins liegt, steigert Fremdkapital die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital. Bei 4 Prozent Objektrendite und 3,5 Prozent Zins ergibt sich mit 20 Prozent Eigenkapital eine Eigenkapitalrendite von rund 6 Prozent. Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen: Liegt die Rendite unter dem Zins, vergrößert er den Verlust im selben Maß.

Ist eine Finanzierung ohne Eigenkapital möglich?

Ja, aber teurer. Banken verlangen für hohe Beleihungsausläufe Zinsaufschläge. Das eigentliche Risiko ist ein anderes: Der Kredit steht anfangs über dem Verkehrswert, weil die Nebenkosten nicht im Objekt stecken. Wer in dieser Phase verkaufen muss – wegen Mietausfall, Instandhaltung oder gestiegener Anschlusszinsen – bleibt auf einer Restschuld sitzen.

Lohnt sich Mietkauf oder Immobilienleasing?

Im privaten Wohnbereich selten. Der Gesamtpreis liegt regelmäßig über dem eines finanzierten Kaufs, das Eigentum geht erst am Ende über, und scheitert der Erwerb, sind die angerechneten Beträge meist verloren. Wer eine reguläre Finanzierung bekommt, fährt damit fast immer günstiger; Mietkauf ist eine Antwort auf fehlende Kreditwürdigkeit.

Was sollte ich vor der Unterschrift rechnen?

Drei Dinge: den Cashflow nach Zins, Tilgung, nicht umlagefähigen Nebenkosten und Instandhaltungsrücklage; die Restschuld am Ende der Zinsbindung samt der Rate bei zwei Prozentpunkten höherem Zins; und wie viele Monate ohne Mieteinnahme sich tragen lassen.

Quellen

  1. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG – Schuldzinsen als Werbungskostengesetze-im-internet.de
  2. § 21 EStG – Einkünfte aus Vermietung und Verpachtunggesetze-im-internet.de
  3. § 489 BGB – Ordentliches Kündigungsrecht des Darlehensnehmersgesetze-im-internet.de
  4. Deutsche Bundesbank – Zinssätze für Wohnungsbaukredite an private Haushaltebundesbank.de

Berater, Webentwickler und seit über 15 Jahren mit dem deutschen Mietkautionsmarkt vertraut. Gründer von mietkautionskonto.info und weiteren unabhängigen Portalen rund um die Mietkaution.